Geld bewegt die Welt – oder doch nicht?



Ein Kommentar von Tabea Hirzel

Geld bewegt die Welt – oder doch nicht? Die Welt bewegt sich ganz von alleine, angetrieben von biochemischen und physikalischen Gesetzen, die die Wissenschaftler bis heute nicht vollends zu erklären wissen. Manche glauben auch, dass es Gottes Geist ist, der sie bewegt und das dieser letzten Endes unergründlich sei, was im Grunde aufs selbe herrausläuft wie die wissenschaftliche Erklärung – so genau weiss es niemand.

Dies soll aber mit dem saloppen Satz „Geld bewegt die Welt nicht ausgedrückt werden. Vielmehr soll damit erklärt werden, dass das menschliche Handeln und Treiben und damit bis zu einem gewissen Grade das menschliche Schiksal von der Macht des Geldes bestimmt wird. Doch ist das so? Wollen wir zuerst einmal ergründen, was mit dieser Einfluss nehmenden Macht genau gemeint ist.

Gesellschaftlich, politische, und wirtschaftliche Macht

Menschliche Aktivitäten finden auf drei Ebenen statt; der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen.

Gesellschaftliche Macht

Die gesellschaftliche Ebene ist der Bereich des Menschlichen Lebens wo Beziehungen geknüpft werden psychologische Bedürfnisse befriedigt werden, gemeinsame soziale Gewohnheiten sich in Riten und Bräuchen weiter entwickeln, Sprache entsteht und gemeinsame Glaubensvorstellung Menschen zu einer gemeinsamen Identität finden lässt, die Grundlage jeglicher Gemeinschaft [ CITATION Hir092 \l 2055 ]. Macht auf gesellschaftlicher Ebene hat, wer über gewisse spirituelle und psychologische Eigenschaften verfügt die diese Mechanismen im Einzelnen zu steuern vermögen. Diese verlaufen in der Regel über Signalwirkungen die wir allgemein als Autorität oder Charisma wiedererkennen. Psychologische Stärke kann nicht erkauft werden oder durch Kurse angeeignet werden. Viele die zu spektakulärem Ruhm gelangt sind, haben zumindest zu Anfang ihrer Karriere nicht über die Geldmittel verfügt, die sie für Ihren Machtgewinn brauchten, wie zum Beispiel Napoleon, Hitler, Gandhi oder Mutter Theresa. Trotzdem haben sie die Welt bewegt; zum Guten wie zum Schlechten. Und doch bewegt Geld die Welt in diesem Bereich.

Es gibt ausgedehnte Studien [ CITATION Platzhalter1 \l 2055 ], darstellen wie Armut das Selbstbewusstsein durch stete Kränkung und Demütigung zerstören kann und in den meisten Fällen auch tatsächlich zerstört und in Depression oder Aggression mündet. Dies kann so weit gehen dass als letzte Ausweg oft nur noch der Selbstmord oder eine gewalttätige Reaktion gesehen werden. So kann Armut ein Mittel sein um gewisse Schichten oder Gruppen, wie zum Beispiel Frauen, oder Menschen einer gewissen Volkszugehörigkeit, ruhig zu halten. In anderen Situationen kann Armut ausgenutzt werden um ein fruchtbares Umfeld für Wut und daraus entstehende Revolutionen zu bilden, die nur noch eines Zündstoffes benötigen. Doch um zu bestimmen wer in einer Gemeinschaft arm und wer reich ist, braucht es politische Macht.

Politische Macht

Die Politik kann keine Kultur entwickeln, so ist der Vatikan als politische Institution nicht fähig den christlichen Glauben zu erschaffen, zu verändern oder abzuschaffen, jedenfalls nicht direkt. Das Christentum gründet sich auf die Lehren und das Leben Jesu – ohne Zweifel eine charismatische Figur. Er war ein Führer, der die Menschen im Herzen und im Geist bewegte. Soweit, dass sie neue Hoffnungen, neue Lösungsmöglichkeiten und neue Vorstellung vom Sinn des Lebens gewannen. Dies ging so weit, dass viele bereit waren dafür zu sterben. Doch geformt wurde das Christentum als Religion durch die Institutionen, die es auch mit Gewalt ausbreiten konnten. Gab es zuvor viele Briefe und Erfahrungsberichte, so wurde nach dem Konzil von Nizäa ein für allemal festgelegt, was Gültigkeit haben soll und was nicht. Jesus konnte niemanden zwingen ihm nachzufolgen und auch nicht Judas davon abhalten ihn zu verraten. Er hätte drei politische Handlungsmöglichkeiten gehabt, um dies zu tun; erstens Meinungsbildung in dem er die Jünger motiviert Judas von ihm fernzuhalten oder Menschen unter Druck zu setzen auch Jünger zu werden, zweitens mit direkte physische Gewalt Judas das Genick brechen „bevor es zu spät ist“, eine Art präventive Kriegsführung, die in der Politik ja nur allzu beliebt ist… oder als drittes hätte er versuchen können Judas einfach mehr zu bezahlen, als es die Pharisäer taten, etwa 60 Silbertaler oder so. Diese letzte Möglichkeit scheint die bevorzugte Taktik von nur allzu vielen Wirtschaftsbossen unserer Tage zu sein. In diesem letzten Punkt ist Geld durchaus nützlich, doch politische Macht ist es nicht. Geld kann politische macht nur Beeinflussen. Politische Macht ist die Möglichkeit Gesetze zu erlassen und diese auch durchzusetzten, sowie Steuern einzutreiben. Dies ist letzten Endes die Macht über Leben und Tot von Menschen zu Bestimmen. Aber genau dieses Durchsetzen von Gesetzen bedarf oft physischer Unterstützung wie Polizei- oder Militärgewalt. Gerade in diesem Bereich spielt Geld heute eine viel bedeutendere Roll als vor 2000 Jahren.

Wirtschaftliche Macht

Wirtschaftliche Macht ist die Fähigkeit menschliche Bedürfnisse möglichst Komplett und möglichst anhaltend zu befriedigen [ CITATION Men76 \l 2055 ]. Wo menschliches Leben in einer Gesellschaft statt findet, ist die Wirtschaft für dauernden Machterhalt auf eine möglichst ausgeglichene Befriedigung aller in der Gemeinschaft Lebenden Menschen ausgelegt, da grosse Gruppen von frustrierten Menschen zu Aggression neigen und die Gefahr eines Systemumsturzes bestehen kann. Menschliche Bedürfnisse sind aber subjektiv. In der Machtpolitik geht es letzten Endes darum abzuwägen, wie diese Menschlichen Bedürfnisse verteilt sind und welches die ideale Strategie ist, um möglichst lang an der Macht zu bleiben. Bildet man (durch politische Massnahmen) eine kleinere Gruppe von Getreuen um sich, die einen vor wütenden Massen fern halten, einen Mythos der Elite aufleben lassen und gerne Polizei und Militärdienste leisten als Dank für erhaltene Privilegien, u.a. finanzielle Privilegien? Die andere Möglichkeit ist es, Unterschiede in Status und wirtschaftlicher Macht der einzelnen, die herrschende Elite inbegriffen, so klein wie möglich zu halten. Da ergibt sich die Schwierigkeit, dass sich nie alle in einer Gemeinschaft von den Lösungsvorschlägen oder der Person der Regierenden begeistert sind, siehe Judas. Besagte Regel sagt 40% hegen Sympathie, 40% Antipathie und der Rest ist gleichgültig eingestellt [ CITATION Platzhalter1 \l 2055 ]. Somit sind Charisma und politische Taktik allein nie aussreichend.

Die wichtigste Grundlage um Macht zu erhalten und die menschliche Gesellschaft zu formen ist die wirtschaftliche. Dazu kann ich hier keine detaillierten Ausführungen machen, nur ein paar Anhaltspunkte:

Jede Gesellschaft besteht aus lebenden Individuen. Das „lebend“ ist ein wichtiger Punkt. Denn lebende Individuen, im Gegensatz zu toten, haben Bedürfnissen die gestillt werden MÜSSEN, sonst sterben sie. Also, selbst in einer Diktatur, wo alle eine Gehirnwäsche erhalten haben und zu allem ja und amen sagen, ist es dennoch wichtig, dass diese Menschen AUSREICHEND genährt sind, gekleidet sind, sicher sind, usw (siehe [ CITATION Platzhalter1 \l 2055 ].

Wenn Menschen nicht nur leben, sondern auch noch aktiv das Leben gestalten, dann fangen sie auch an Dinge zu hinterfragen. Damit sie nicht das ganze System ausser Kragt setzen, braucht es Mechanismen, die „Ausreisser“ wieder auf „die rechte Bahn bringen“. Die verschiedenen psychologischen oder physiologischen Modelle dazu, benötigen immer eine wirtschaftliche Grundlage um Privilegien zu verteilen oder zu entziehen.

Es muss sich nicht unbedingt um Geld handeln, diese Mechanismen spielen auch in reinen Tauschgesellschaften. In Gesellschaften wie der unsrigen, die eine Monetäre ist, ist gesellschaftlich gesehen „Wirtschaftsmacht“ mit Geld gleichgesetzt. Darin liegt aber geradezu die Schwäche des Arguments, da in unserer heutigen Wirtschaft zwar wirtschaftliche Kraft in Geld ausgedrückt wird, aber nicht immer. Wenn Sie zum Beispiel eine Kuh zu Hause haben und jeden Tag unter ihren Nachbarn 15 Liter Milch verteilen, dann ist das zwar ein wirtschaftlicher Gewinn für die ganze Nachbarschaft, wird aber von unserer Wirtschaft nicht erfasst. Umgekehrt gibt es Unsummen von Geld das in Büchern fein säuberlich eingetragen wurde (meist per Computer) aber weder eine wirtschaftliche Grösse in der realen Welt zu Grunde hat, noch in reale Mittel umgesetzt werden kann. Sahra Wagenknecht hat in ihrem Buch „Die Mythen der Modernisierer“ dies sehr bündig und Anhand viel besserer Beispiele erläutert [ CITATION Wag01 \l 2055 ].

Frauen, Macht und Geld

Eigentlich wäre es nun naheliegend, dass diejenigen, die das Leben in einer Gesellschaft erschaffen, das heisst, Kinder gebären, Kartoffeln pflanzen (Produktion), um die Kinder zu ernähren (Politik/Allokation), was übrig bleibt in Mehl verarbeiten, für zukünftigen Verbrauch (Kapital) und einen feinen Sonntagszopf daraus backen (Kunst, Kultur, Luxusgut) auch über diese frei verfügen. Dass dem nicht so ist, habe ich schon oben erwähnt, die Gründe zu erläutern ginge hier zu weit, handelt es sich doch um ein vielschichtiges Thema, das sich aus politischen, soziologischen, psychologischen und vielleicht auch biologischen Gründen zusammensetzt. Ich denke aber im Interesse der Menschheit und ihres Fortbestehens ist es dringend Notwendig, dass Frauen ihre Macht, durch oben genannte Beispiele ohnehin vorhanden Macht, erkennen und ihre Verantwortung wahrnehmen.
Dafür müssen sie lernen, was Geld eigentlich ist, wie es entsteht und wozu es dient. Die offene Arbeitsgruppe im Open Space unter dem Titel „Geld macht Frauen stark“, hilft Frauen ihr Geld und ihr Leben selber in die Hand zu nehmen.