Abstrakt
Angeregt durch die
Diskussionsrunde im Schweizer Radio DRS unter dem Thema „Zukunft
Schweiz, die Schweiz im Jahr 2030“, ist dieser Kommentar
entstanden, der einen kurzen Anriss zu den Ursachen der sogenannten
Wirtschaftskrise und eine mögliche Entwicklung für die Zukunft
aufzeigen.
Anzeige in der Luzerner Zeitung |
Perspektiven 2030 |
Artikel
Einführung
Wenn wir von
Zukunft sprechen, dann ist dies nie eine Gewissheit sondern eine
Möglichkeit, die Entsteht aus dem gegebenen Potential, den
verfügbaren Ressourcen und dem menschlichen Erfindungsgeist,
getrieben durch Bedürfnisse und Hoffnungen. Dies wurde auch schon
vor über hundert Jahre treffend durch Carl Menger dargestellt[ CITATION Men07 \l 2055 ].
Somit ist die
im Folgenden beschriebene Analyse zwangsläufig eine subjektive
Wahrheit, die sich in diesem Masse auch nur verwirklicht, wenn sie
von anderen Geteilt wird. Dieser Kommentar sollte nicht als Prognose
missverstanden werden, eher als das Wahrnehmen einer Tendenz.
Dies ist eine
sehr rasch verfasste Schrift als Antwort auf die heutige
Diskussionsrunde im Radio DRS zum selbigen Thema und bietet daher
nicht die fundierten Grundlagen einer wissenschaftlichen Arbeit. Dies
ist eher ein persönlicher Kommentar.
Ausgangssituation
Wirtschaftskrise
Alles begann
mit der Immobilienkrise im Frühsommer 2007, und der darauf
folgenden Börsen und zuletzt der weltweiten Wirtschaftskrise, die
heute im Jahr 2010 immer noch andauert. Damit reiht sich diese Krise
in eine Reihe von dramatischen Ereignissen der Wirtschaftsgeschichte;
die Börsenkrise von 1720 in Frankreich oder der berühmte „Schwarze
Freitag“ 1929 an der New Yorker Börse, sind einige Beispiele.
Begann es tatsächlich dort? Zeichen für die kommenden Krise, auch
wenn dies gerne verdeckt wird, gab es genug, sowie Leute, die sich
auch dafür einsetzten zu warnen. Ernst genommen wurden sie nicht.
Doch was dies Unkenrufe der Vergangenheit gemeinsam hatten, ist die
Grundlage, dass die Ursprünge der angedrohten Krise nicht im Verlauf
der Wirtschaft selbst sondern bedingt wurde durch das menschliche
Verhalten und fragliche Zielsetzungen. Dies führte zu einer
Überhitzung der Märkte und am Ende zu Ihrem Zusammenbruch. Diese
„aufgeregten Zustände“, wie wir sie auch aus der Quantenphysik [ CITATION Kon09 \l 2055 ]
kennen, drohen in Chaos zu münden.
Wertekrise
Das bis dahin
allgemein akzeptierte kartesische Denken, das unserem mechanistischem
Wirtschaftssystem zugrundliegt, und klare Unterschiede zwischen
Schwarz und Weiss, Richtig und Falsch bennent, kurz gesagt in
Dichotomien, Gegensätze einteilt, wurde nicht nur durch den
Finanzmarkt in Frage gestellt. Andere Denkweisen, importiert von
Zuwanderern und Rückwanderern, neue Technologien im Umgang mit
Energie und der Übermittlung von Daten sowie neue Lebensstrukturen
in der Gesellschaft stellen die objektive Realität des kartesischen
Weltbildes in Frage. Dies führt verständlicherweise zu
Verunsicherung und Ängsten, in den Menschen; dem gewöhnlichen
Bürger genauso wie bei den Führungskräften.
Alte Werte
werden schon seit langem und teilweise auch zu Recht in Frage
gestellt. Neue Werte stehen als Möglichkeit zur Verfügung, doch
eine vollumfängliche Akzeptanz, ein neues Weltbild und
Gedankengefüge hat sich noch nicht klar ausgeformt. Schwarz und
Weiss existieren, aber als Kategorien unseres Denkens und als äussere
Grenzen von Möglichkeiten, zwischen denen die Realität fluktuiert.
Gesellschaftskrise
Wenn
menschliche Werte, die Ethik, vom altgriechischen „Ethos“, das
beschreibt „wie man leben soll“, wen diese Werte
durcheinanderkommen, führt dies zu Schwankungen in den
Gesellschaftsstrukturen, die in Umstürze von Gesellschaftsordnungen
und Normen münden kann. Dass es in der Schweiz eine immer grösser
werdende Kluft zwischen Arm und Reich, den Zielen des Volkes und den
Programmen der Führungselite gibt, ist für viele offensichtlich.
Lösungen
kommen da eher nicht von reaktionären Anpassungen von Steuergesetzen
und anderen Normen, die oft eher aus Hilflosigkeit und Willkür
erdacht werden als von echte Visionen durchtränkt zu sein.
Krise –
Chaos – Kreation
Krisen sind
Chancen, nicht wie es so oft heisst „auch“ Chancen. Die Krise ist
ein System, das entsteht durch eine zu hohe Aktivität oder
Überhitzung. Dieses Phänomen wird auch in der Quantenmechanik über
Zustände (quantum states) beschrieben wird. Es gibt nur zwei Wege
aus dem Chaos. Ein starkes, deutliches, einmaliges Signal, das das
System in die vorherige Ordnung zurückbringt oder der Zusammensturz
des Systems, respektive einen „Quantensprung“, aus dem etwas
Neues hervorgebracht wird; die Erschaffung eines neuen Systems.
Falls diese
Krise, wie ich zutiefst hoffe, NICHT wie in den 30er Jahren zu
kriegerischen Konflikten führt und auch nicht wie in den 90er Jahren
alles wieder zum Alten zurückkehrt, dann sieht meine Vision
folgendermassen aus.
Das Jahr
2030
Das 2030 ist
ein Jahr in dem die Menschen glücklich sind, sie sich als lebende
Wesen wahrnehmen und sich wohl fühlen im Umgang mit anderen lebenden
Wesen. Die Definition, was lebendes Wesen ist, wird 2030 vielleicht
nicht so absolut sein. Was oder wer in eine kommunikative Beziehung
treten kann ist darin inbegriffen, dies kann andere Menschen, Tiere,
Pflanzen, vielleicht auch noch ganz andere im Ecosystem befindliche
Einheiten betreffen.
Im Jahr 2030
muss niemand Mangel leiden und es hebt sich auch niemand stark
hervor, es gibt Unterschiede, aber die sind eher in der Art
(Qualität) als in der Menge (Quantität) zu sehen. So ist ein
Mensch, die als Bäckerin arbeitet anders als ein Mensch, der sich um
Kinder kümmert oder ein dritter der beides tut. Doch wird daraus
nicht direkt ein Schluss gezogen, wer wichtiger und mehr wert ist.
Es gibt auch
Menschen, die sich mehr für das Gemeinwohl einsetzen als andere oder
umgekehrt, die mehr auf ihren eigenen Gewinn bedacht sind. Erstere
geniessen ein höheres Ansehen, was sich aber nicht in monetären
Quantitäten sondern eher indirekt durch Status, Funktion und
Position in der Gesellschaft auszeichnet. Unterschied führen zur
Pluralität. Ressourcen und Möglichkeiten des Einzelnen sind nicht
bei allen gleich, aber jeder Einzelne strebt danach, die Unterschiede
klein zu halten und ist mehr auf Harmonie, Gleichgewicht in den
verschieden Beziehungen als auf Effizienz und Gewinn aus.
Staatsform
Die Schweiz
behält und intensiviert ihre Föderalistische Staatsform.
Weitreichende Eigenverantwortung und Selbstverwaltung von Kommunen,
Gemeinden oder auch Menschengruppen in ähnlichen Gefügen wie z.B.
Vereinen führen zu einer Vereinigung, einer Co-föderation von
Gemeinschaften.
Politische
Verantwortung
Demokratie ist
vermehrt direkt und beschränkt sich auf Dinge, die auch direkt
betreffen, und für die man zur Rechenschaft gezogen werden kann.
Rechte stehen im Gleichgewicht und in direkter Beziehung zu
Pflichten. Verstärkter Föderalismus ist gefragt. Ob man Schweizer
ist oder nicht, hängt nicht vom Pass, der Herkunft oder der
Hautfarbe ab, sondern davon, wie weit man bereit ist, sich für die
Gemeinschaft, die Menschen mit denen man lebt, einzusetzen und an
einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten.
Gesetzesgrundlagen
Die
Juristische Person (Gmbh und Aktiengesellschaften) existiert
nicht mehr. Menschen tauschen Informationen, Dienstleistungen und
Güter im direkten Austausch mit anderen Menschen oder
Menschengruppen aus. Spekulation beschränkt sich auf eine
Voraussicht des Wetters, des psychologischen Verhaltens oder anderer
Faktoren die den tatsächlichen Bedarf dieser Produkte menschlichen
Schaffens (Informationen, Dienstleistungen und Güter) beeinflussen.
Der
Unternehmergewinn gehört dem Unternehmer, der Verlust muss
von ihm getragen werden.
Privatrecht,
Markenschutz und Patente sind ein Hirngespinst der Vergangenheit.
Besitz ist wo man „drauf sitzt“ und wofür man auch
„ver-antwortlich“ ist, ganz gemäss alt-gemarnischem Recht.
Produktion
Produktion
beschränkt sich vermehrt auf lokale Produzenten, da so die
Transparenz und Überwachung der Qualität durch den einzelnen
Nutzniesser des Produktes, einfacher ist. Auch wenn ein Aussenhandel
nie ganz auszuschliessen ist und sogar wünschenswert ist, die
Wirtschaft stützt sich auf Selbstgenügsamkeit.
Neue
Technologien ermöglichen auch neue Arbeitsformen. Die die am
Morgen Kartoffeln pflanzen, können auf ihrem Hof am Nachmittag ein
Webdesign gestalten oder an einer Chemischen Formel für eine
schadlose Entsorgung von Atommüll herumbasteln, Natur und Technik
können miteinander und nicht nur nebeneinander leben. Dank Internet
und neuen Möglichkeiten, die erst in den Jahren 2010 bis 2030
geschaffen werden, ist das Zusammenarbeiten an grossen und komplexen
Projekten möglich, trotz physischer Distanz der Beteiligten; wie wir
dies schon aus der Entwicklung von Open Source Software kennen [ CITATION Web00 \l 2055 ].
Das Jahr 2030
wird ein gutes Jahr sein. Dies zumindest wünsche ich mir und uns
allen.
Literaturverzeichnis
Kondratenko,
A. (28. March 2009). Physical Modeling
of Economic Systems: Classical and Quantum Economies .
Abgerufen am 17. March 2010 von
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1304630
Menger,
C. (2007). Principles of Economics.
Abgerufen am 12. March 2010 von Mises Institute:
http://mises.org/Books/Mengerprinciples.pdf
Weber,
S. (Juny 2000). The Political Economy of Open Source Software.
University of Berkeley, California.